Podcast mit Publikum mit Dennis Sawatzki
Show notes
Eine neue Podcastfolge aus dem Bildungscafé der LernKulturZeit ist da!
Silke Weiß spricht diesmal mit Dennis Sawatzki, Geschäftsführer des Instituts für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik (ISH Group).
Dennis bringt eine spannende Perspektive auf das Thema Schultransformation mit: Als Prozessbegleiter zahlreicher Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises betrachtet er Lernbegleitung nicht nur als Methode für den Unterricht, sondern als umfassende Professionalisierungsbegleitung für das gesamte System – also auch für Lehrkräfte und Schulleitungen.
Im Gespräch räumt er mit dem Missverständnis auf, dass es reiche, Lernende einfach nur zur Freiheit zu „ermächtigen“. Er plädiert stattdessen leidenschaftlich dafür, sie (und auch die Lehrenden) erst einmal dazu zu befähigen, mit dieser Autonomie umzugehen.
Außerdem erfahrt ihr:
• Warum Schulen oft in einer „systemischen Befangenheit“ feststecken – wie in einem Spinnennetz aus Rollen und Erlassen – und warum der Blick von außen so wichtig ist.
• Was es mit „Grauzonenmanagement“ und „unamtlichem Handeln“ auf sich hat. (Strategien, die Dennis als zentrale Gemeinsamkeit erfolgreicher Preisträgerschulen identifiziert hat, innerhalb starrer Strukturen kreative Spielräume zu nutzen.)
• Warum wir für echten Wandel weg vom subjektiven Bauchgefühl und hin zu einer evidenzbasierten Schulentwicklung müssen.
• Wie durch „Allparteilichkeit“ und moderierte Dialoge auf Augenhöhe eine „Next Practice“ entsteht, die über bloße Konzepte hinausgeht.
• Warum psychologische Sicherheit und Räume für Resonanz und Gefühle die Grundvoraussetzung für jede Transformation sind.
Eine Folge voller Bewältigungszuversicht für alle, die Schule nicht nur verwalten, sondern gemeinsam mit allen Beteiligten neu gestalten wollen.
Bildungswandel #Schulentwicklung #Lernbegleitung #Haltung #Grauzonenmanagement #NextPractice #LernKulturZeit #ZukunftsSchule
Bildungscafé (Sei beim nächsten Mal live dabei und stelle deine Fragen!) https://www.lernkulturzeit.de/veranstaltung/bildungscafe/
Institut für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik (ISH) https://ish-gruppe.de/
Show transcript
folge mit Dennis
[Silke Weiß]
Willkommen zu einer weiteren Folge von unserem Podcast mit Publikum bei unserem Bildungscafé der Lernkulturzeit. Ich begrüße ganz herzlich bei mir heute Dennis Sawatzki. Hallo, vielen Dank für die Einladung.
Schön, dass du da bist. Deniz, wir zwei kennen uns jetzt schon ein bisschen länger, wir sind immer mal wieder am Was-Aus-Hacken. Du darfst gleich ein bisschen erzählen von deinem Background.
Ich sage nur schon mal so ISH Group. Wir haben uns auch schon mal bei dir getroffen. Das ist auch das, was so im Hintergrund bei dir so durchscheint.
Und wir treffen uns ganz regelmäßig zum Thema Lernbegleitung. Und deswegen freue ich mich besonders, dass du es heute so kurz vor Weihnachten noch hierher geschafft hast in unser Bildungscafé. Und es wäre mal so meine erste Frage, wie kommst du eigentlich zu dem Thema Lernbegleitung?
Was treibt dich da um und was hat es eigentlich mit der ISH zu tun?
[Dennis Sawatzki]
Ja, es ist eine gar nicht so triviale Frage, weil ich den Begriff Lernbegleitung vielleicht gar nicht unbedingt schon seit jeher so selbstverständlich verwende, sondern eher die Ideen, die damit verbunden sind, mich schon eigentlich mein gesamtes berufsbiografisches Leben begleiten. Und wahrscheinlich begann es auch schon vorher in meiner eigenen Schulzeit, wie das wahrscheinlich bei den meisten Personen ist. Wie war denn deine Schulzeit?
Ja, kacke. Nein, das ist ein bisschen die verknappte Antwort darauf, dass ich meinen Bildungsenthusiasmus auch ein Stück weit aus einem Mangel erleben oder aus einem Defizit erleben heraus abgeleitet habe. Ich habe es quasi versucht, für mich in positive Energie umzuwandeln und ein Motiv und eine Motivation zu entwickeln.
Das muss doch besser gehen. Also das heißt tatsächlich, die sehr saloppe Ad-Hoc-Antwort stimmt insoweit, als dass ich in der Schulzeit nicht so sehr auf meine Kosten gekommen bin, in Anführungsstrichen, wie ich es als junger Mensch sicherlich gebraucht hätte. Und dass ich tatsächlich erst im Studium die Lust am Lernen für mich wiederentdeckt habe.
Und ich habe das fest gemacht, vor allen Dingen an dem Freiheitsgrad, der dort bereitgestellt wurde, der anderen Kommilitoninnen und Kommilitonen Schwierigkeiten bereitet hat, die sich ein bisschen lost gefühlt haben. Darin, in diesem Freiheitsgrad, habe ich sozusagen mein Autonomiebedürfnis befriedet gesehen und mich dann auch auf die vorhandenen und auch noch nicht vorhandenen Stärken und Kompetenzen von mir besinnen können, um daran weiter zu arbeiten und zu wachsen. Und insoweit spielt das Thema Lernbegleitung schon biografisch bei mir eine große Rolle, weil mir diese Lernbegleitung zu Schulzeiten fehlte und ich sie im Studium nicht so brauchte, beziehungsweise mehr den Part übernommen habe, andere in ihrem Lernen zu begleiten, was mich wiederum total motiviert, beflügelt und auch natürlich irgendwo gefördert hat, auf ganz unterschiedlichen, sowohl fachlichen als auch sozialen Ebenen. Und dieses Thema, wie viel Begleitung brauchen wir im Lernen, das hat mich seither einfach auch nicht mehr losgelassen.
Und was davon kann eigentlich Schule, was davon können Lehrkräfte leisten, hat mich dann auch in das Thema Schule einfach wieder zurückgezogen, kann man sagen. Und das ISH, das Institut für Schulentwicklung, Hochschuldidaktik, das arbeitet eben ganz schwerpunktmäßig mit diesen beiden Bildungsinstitutionen Schule und Universität und versucht von außen den BildungsakteurInnen im Prinzip auch eine Form von Begleitung anzubieten, damit sich nicht nur die Lernenden, sondern eben auch die Lehrenden, die Leitenden in ihrer eigenen Profession weiterentwickeln können.
Deswegen setze ich einen erweiterten Begriff von Lernbegleitung an, der sich gar nicht so sehr auf zum Beispiel nur schulisches Lernen oder unterrichtsbezogenes Lernen oder schülerbezogenes Lernen bezieht, sondern eigentlich die Organisation des Lernens insgesamt betrifft.
[Silke Weiß]
Was du jetzt beschreibst, also Lernbegleitung so im weiteren Sinne, nicht nur fixiert auf Schülerinnen und Schüler innerhalb der Institution Schule, sondern auch im weitesten Sinne, du hast ja beschrieben, in deiner Studienzeit warst du zum einen, hattest du mehr Autonomie, das hat ja gut getan, andere Studierende haben sich richtig schwer getan damit, also mehr selbstbestimmt lernen zu können. Und meine nächste Frage würde auch so dahin gehen, ich weiß ja, dass du viel rumkommst und auch viel Begleitung machst an Schulen oder auch in der Fortbildung bist du ja sehr aktiv in deinem Institut, ihr macht in verschiedensten Richtungen ja auch Kurse und Ausbildung und dieses Schwerfallen, also hast du für dich mal herausfinden können, warum es manchen so schwerfällt? Weil eigentlich wünschen wir uns es doch, dass wir ein bisschen mehr machen können, was wir wollen und nicht so sehr gesagt bekommen, was wir zu tun haben.
Sag erst mal, dann stellst du dir vielleicht noch eine Ansicht vor, wie das ist.
[Dennis Sawatzki]
Ich würde es vielleicht an dem Begriffspaar Ermächtigen und Befähigen festmachen wollen, die manchmal in meiner Wahrnehmung fälschlicherweise fast synonym verwendet werden. Und zwar, wenn wir Studierende, die gerade eben frischgebackene Abiturienten sind, von der Schule kommen, schulisch sozialisiert sind auf eine bestimmte Art und Weise und das mag ja auch sehr sehr unterschiedlich sein und auch unterschiedliche Persönlichkeitstypen selber entsprechend darstellen, dann genügt es doch nicht, sie dazu zu ermächtigen, freier zu lernen, sich stärker selbst zu organisieren, mehr Eigenverantwortung für ihren Bildungserfolg zu übernehmen etc. pp., sondern wir müssen sie dafür doch eigentlich zuvor oder mindestens parallel dazu flankierend befähigen oder befähigt haben, in der Lage zu sein, im Sinne der Selbstorganisation, des Zeitmanagements, der Lernstrategien, aber auch des Mindsets, dem Lernen und der Bildung und dem lebenslangen Lernen gegenüber und der Berufsqualifizierung gegenüber, das alles quasi auch schon als Handwerkszeug, als Rüstzeug mit mitzubringen und dort entsprechend einzusetzen. Und da war jetzt bei mir biografisch der Gap schon relativ groß zwischen, ich bin in der Schulzeit dazu nicht befähigt worden und werde jetzt im Studium dazu ermächtigt, bin aber eigentlich erst mal selber noch gar nicht in der Lage dazu. Und das, glaube ich, führt dann bei vielen dazu, dass sie ja dieses Gefühl haben, ich bin hier irgendwie orientierungslos, ich hänge in der Luft, ich weiß gar nicht, wie ich Prioritäten setzen soll, wie ich mich optimal vorbereiten soll, was von mir abverlangt wird etc.
pp. Und da, glaube ich, kommt das Thema Lernbegleitung dann eben auch entsprechend wieder vor, dass es darum geht, wie können wir Lernende auf dem Weg zum nicht nur eigenverantwortlichen, sondern auch selbstständigen Lernen, wie können wir sie darin bestmöglich begleiten, wie können wir sie unterstützen, was brauchen sie dafür und das ist ja individuell sehr unterschiedlich. Und deswegen ist es bei mir, wie gesagt, eher so ein weiterer Begriff von Lernbegleitung auf der einen Seite, weil ich dabei eben nicht nur an die SchülerInnen und Studierenden denke, sondern eben zum Beispiel auch an die Lehrkräfte, an ReferendarInnen und Referendare, aber auch an Schulleitungen, die auch in ihrer Leitungsfunktion und Position relativ schnell reinkommen, in Anführungsstrichen, ohne jetzt vielleicht das gesamte Rüstzeug schon an der Hand zu haben für diese Führungsaufgabe. Und da habe ich neben diesem erweiterten Lernbegleitungsbegriff auch wieder einen vielleicht etwas engeren im Sinne einer Individualisierung, wo es eben auch darum geht, jeder Student, jede Schülerin, jede Lehrkraft, jede Schulleitung braucht ja auch etwas anderes und bringt ja auch etwas anderes schon mit in ihre Rolle.
Und es geht ja darum, okay, wie kann ich innerhalb meiner Rolle meine Aufgaben, meine Funktionen bestmöglich auch entsprechend erfüllen. Das heißt, Lernbegleitung ist im Prinzip auch so eine Art von Professionalisierungsbegleitung, denke ich, und das ist wichtig, da an der Stelle auch Unterstützung von außen zu bekommen.
[Silke Weiß]
Ja, ich finde es ganz spannend, was du sagst, der Unterschied zwischen befähigen und ermächtigen. Also alleine dadurch, dass man Lernbegleitung jetzt sagt, wir machen das jetzt mal, also wir machen jetzt irgendwie eine freiere Unterrichtsform und ihr sollt jetzt mal, heißt es ja noch lange nicht, dass alle das können. Also sowohl Schülerinnen und Schüler sowie deine Kommilitonen im Studium ein bisschen überfordert sind, aber auch Lehrer vielleicht in ihrer neuen Rolle gar nicht so recht wissen, wie geht denn das eigentlich.
Und du hast schon gesagt, es braucht Begleitung von außen und du begleitest ja auch Schulen in der Entwicklung und kommst auch gerade, was heute Morgen ja auch, wir haben uns kurz ausgetauscht, warst du bei einer Schule, die im Startchancenprogramm gerade ist. Ist denn da dieses Thema vom Lehren zum Begleiten, also vom Lehrer sein, Vermitteln hin zum individualisierten Begleiten, ist das überhaupt ein Thema? Und ich erweitere meine Frage gleich noch mal, kannst ja mal gucken, wo du anfängst mit der Antwort.
Also ist das da ein Thema und wie groß sind die Herausforderungen, beziehungsweise auch, ich weiß, dass du auch für den Deutschen Schulpreis unterwegs bist oder zumindest in der Robert-Bosch-Stiftung das ein oder andere machst und da auch mit innovativen Schulen im Kontakt bist. Inwieweit ist es dort auch Thema und was sind da die Herausforderungen?
[Dennis Sawatzki]
Ja, ich nehme es schon eindeutig so wahr, dass bei den Schulen, die sich auf den Weg gemacht haben, die sich auch selbst den Auftrag erteilt haben, sich zu transformieren, die notwendigen Schritte in die bereits begonnene Zukunft zu gehen, dass die auch sehr stark an ihren Konzepten und damit auch verbunden an ihren Begrifflichkeiten arbeiten. Das heißt, wir hatten zum Beispiel im Rahmen des Deutschen Schulpreises Entwicklungsprogramm, Forum des Deutschen Schulpreises, ganz viele ganz innovative Schulen. Ich darf auch Preisträgerschulen als Prozessbegleiter weiter begleiten, weil ja deren Prozess nicht beendet ist, sondern ja permanent weitergehen muss.
Und da würde ich schon sagen, haben sich sehr, sehr viele Schulen auf den Weg gemacht, die Rollenidentität als Lehrkraft zu hinterfragen und zu verändern. Teilweise eben auch Begrifflichkeiten zu erneuern. Also ein viel zitiertes Beispiel der alemannischen Schule Wuderschingen, wo eben dann auch nicht mehr von Lehrern und Schülern gesprochen wird.
Ich glaube, das ist schon mehr als bloße Nomenklatur. Also sich wirklich auch über Begrifflichkeiten auszutauschen. Sprache erzeugt Wirklichkeit, repräsentiert Wirklichkeit, verändert auch ein Stück weit Wirklichkeitskonstruktionen zu überlegen.
Als wer treten wir eigentlich unseren Kindern und Jugendlichen gegenüber? Und dieses als wer ist ja eben nicht so leicht zu beantworten. Man kann sagen, ja, ich bin jetzt Lehrer oder ich bin Sozialarbeiterin, ich bin Schulpsychologe, ich bin Inklusionshelfer oder wie auch immer.
Aber was bedeutet das eigentlich? Welche Haltung steckt da im Endeffekt auch hinter? Und welche Handlungen lassen sich dann auch aus dieser Haltung ableiten?
Und da würde ich sagen, da ist auch so ein bisschen die Schwierigkeiten und Herausforderungen angesprochen, würde ich sagen, ist eine Schwierigkeit die Struktur. Also die wiederum natürlich den Schulen und den Lehrkräften ganz viel Sicherheit auch bieten soll. Auch ich sag mal im Rahmen von schulgesetzlichen Regelungen etc.
Aber diese Strukturen, die bewegen sich logischerweise, weil sie ja Strukturen sind, nicht so schnell, wie sie sich eigentlich derzeit verändern müssten und kommen dann auch oft nicht hinterher. Und dann gibt es natürlich Lehrkräfte, die im Prinzip zunächst einmal darauf warten, dass sich Strukturen verändern, damit sie die Legitimation haben, auch ihr Selbstverständnis zu verändern. Und andere, die sagen, ich warte doch nicht darauf, dass sich strukturell etwas ändert.
Ich muss ja erstmal etwas ändern, damit sich strukturell überhaupt etwas bewegen kann. Und da knallen dann eben natürlich auch teilweise Denkkulturen aufeinander, die es irgendwo ja auch gar nicht abzuwerten oder aufzuwerten, sondern zu akzeptieren gilt, aber wo es ja auch einen Umgang mit braucht. Und da wiederum ist mein Erleben, dass Schulen dort sehr auf die Unterstützung von außen angewiesen sind, weil sie ja in sich sozusagen systemisch befangen sind.
Und weil da manchmal die neutrale dritte Instanz von außen, also gewissermaßen supervisorisch, die eben nicht in irgendwelchen Abhängigkeitsverhältnissen steckt, gut geeignet ist, um mal blinde Flecken auszuleuchten, den Finger in eine bestimmte Wunde zu legen, ein bisschen was auch provokant oder polarisierend herauszukitzeln im Sinne der Organisation und der Menschen, die darin leben und arbeiten. Aber ich glaube, dass das eben auch tatsächlich ein gutes Stück notwendig ist, damit man eben seine gewohnten Muster und Routinen auch überwinden kann und auch diejenigen mitgenommen werden, die nicht sofort Juhu schreien.
[Silke Weiß]
Das ist interessant. Und das ist ja auch unsere Erfahrung. Aber ich wollte dich, bevor ich da nochmal weiter darauf eingehe, noch fragen.
Ihr bietet ja auch systemische Ausbildung in verschiedenen Bereichen an. Was ist denn eine systemische Befangenheit? Können wir da nochmal zwei, drei Sätze mehr von dir hören?
[Dennis Sawatzki]
Naja, ich meine, ich als Lehrkraft, ich bleibe jetzt mal so bei diesem klassischen Beispiel, weil es einfach die meisten im Schulsystem beschäftigten Menschen betrifft, ich als Lehrkraft. Wie viel haben wir? 800.000 in Deutschland, knappe Millionen, glaube ich. Ich glaube nicht ganz. Bei 800.000 hätte ich die Zeit.
[Silke Weiß]
40.000 Schulen haben wir.
[Dennis Sawatzki]
Ja, stimmt. Viele Menschen in unserer Gesellschaft, viele Menschen, die sich als Lehrkraft bezeichnen und auch als solche beschäftigt sind, die in eine bestimmte schulische Kultur hineingekommen sind, sich also auch erstmal ein Stück weit orientieren und anpassen müssen, die in bestimmten Gehalts- mehrere vorgesetzte Instanzen entsprechend auch über sich wissen, einen schulrechtlich-gesetzlichen Rahmen vorfinden mit immer wieder neuen Erlassen und Dienstvorschriften, die auch teils als Korsett empfunden werden und vielleicht wenig Luft zum Atmen und Freiraum auch entsprechend von sich aus gewähren, die im Prinzip auch wissen, sie hängen in einem bestimmten System. Sie sind auch abhängig von der Gunst, von dem Goodwill von Kolleginnen und Kollegen, von Schulleitungen, Bildungsdezernenten oder sonst wem, Schulaufsicht, Schulträger.
Das ist mit systemischer Befangenheit gemeint. Man ist ja sozusagen, wenn man sich das so ein bisschen Spinnennetz-mäßig vorstellt, man ist ja Teil dieses Netzes mit den ganzen vielen unterschiedlichen Verbindungen und Verantwortlichkeiten, Positionen, Funktionen und Rollen und ich kann ja nicht losgelöst von meiner Rolle in irgendeiner Weise dort agieren oder reagieren und deswegen ist mein Radius, mein Spielraum, innerhalb dessen zu agieren und zu reagieren, naturgemäß eingeschränkt.
Und wenn jetzt jemand von außen kommt und mit den Protagonisten dieses systemischen Netzwerks sozusagen arbeitet, dann ist die Person viel unvoreingenommener, viel freier und kann deswegen auch vielleicht auf andere Dinge hinweisen, andere Fragen stellen, andere Sachverhalte auch hinterfragen, die man im Prinzip für selbstverständlich so weit in sich abgespeichert hat, dass man sie eigentlich selbst schon längst vergessen hat zu hinterfragen, obwohl sie vielleicht längst auch schon nicht mehr zeitgemäß sind. Und da kann dann eben die externe Instanz helfen aus dieser systemischen Befangenheit zumindest für den Moment einer Coaching-Einheit oder für den Moment einer Fortbildungsveranstaltung oder für den Moment einer Beratungssitzung oder ähnliches mal auszubrechen und diese Rolle auch mal bewusst zur Seite zu stellen und in professionelle und auch emotionale Distanz zu dieser eigenen Rolle innerhalb dieses systemischen Geflechts zu treten und dann neue Blickwinkel einzunehmen, neue Bewertungen vorzunehmen und neue Handlungsoptionen daraus abzuleiten.
[Silke Weiß]
Ja, das leuchtet total ein und bringt mich auch gleich zu meiner nächsten Frage, weil du hast vorhin gesagt, das System, also Strukturen ändern sich nicht so schnell, weil es halt Strukturen sind, nicht so schnell wie sie müssten. Ich glaube, wir sind uns beide einig, dass sich das verändern müsste, also dass wir mehr Lernbegleitung brauchen als Vermittlung von frontalem Fachwissen für Menschen, die das vielleicht gerade gar nicht interessiert. Aber das ist ja nicht jedermanns Überzeugung oder jeder Frau oder wie auch immer in einem System.
So, jetzt gibt es einen Kreis von Menschen, die mir auch sehr nahe stehen, die der Überzeugung sind, hier müsste sich etwas ändern. Im Großen und Ganzen ist das allerdings nicht so. Also, ich glaube, in den meisten Schulen gibt es eher noch so diesen Status Quo und das ist noch nicht so klar wie für dich, dass sich da was ändern müsste.
Und du hast vorhin schon gesagt, wir müssen die Leute ja mitnehmen. Was benutzt du denn für Argumente, um irgendwie klarer zu stellen, dass sich etwas verändern müsste und in welche Richtung geht es auch?
[Dennis Sawatzki]
Das ist eine große Frage, finde ich. Ich versuche es mal. Dieses Müssten klingt ja erstmal nach einer normativen Setzung.
Ich würde aber an der Stelle sagen, so ist es gar nicht unbedingt gemeint. Es geht gar nicht so sehr darum, was habe ich für ein Bild von Schule in der Zukunft, sondern die Rahmenbedingungen, die Notwendigkeiten, auch das, was wir wirklich messen können. Also, wenn wir auf die Entwicklung psychischer und mentaler Gesundheit unter SchülerInnen und Lehrkräften beispielsweise in den letzten Jahren einfach mal zurückblicken und den aktuellen Stand in den Blick nehmen.
Wenn wir auf die schulischen Leistungen in den internationalen Vergleichen auch blicken seit PISA vor 25 Jahren, die ja immer wieder sozusagen, was heißt bestätigt, aber immer wieder sozusagen neue Warnsignale mit sich gebracht haben. Leute, irgendwas funktioniert hier gerade nicht. Ich würde jetzt nicht sagen ganz objektiv, aber zumindest wissenschaftsorientiert, evidenzbasiert, haben wir es sowohl im Bereich Gesundheit, Zufriedenheit als auch im Bereich schulische Leistungen mit Herausforderungen zu tun, die einfach statistisch betrachtet größer denn je sind.
Und daraus leitet sich für mich ein gewisser Handlungsdruck, eine gewisse Veränderungsnotwendigkeit auch entsprechend ab. Und natürlich auch Entwicklungen, die Digitalität und künstliche Intelligenz betreffen, die ja ein Stück weit auch unseren Arbeitsmarkt sehr, sehr stark verändern werden und auch schon verändern. Und unseren SchülerInnen ja auch nochmal ganz neue Kompetenzen und ganz neue Fähigkeiten und Fertigkeiten letztlich abverlangen, damit sie auf diesem veränderten Arbeitsmarkt auch anschlussfähig sind.
Das ist auch eine Notwendigkeit. Und ich würde sagen, wir können da noch mehr auch wirklich datengestützt Schule verändern und sollten vielleicht, da steckt jetzt vielleicht doch ein bisschen eine normative Setzung drin, wir sollten vielleicht davon ein bisschen abrücken, auf anekdotische Evidenz und das subjektive Bauchgefühl zu vertrauen. Und dazu stärker übergehend zu sagen, okay, lasst uns doch mal sehr sachlich, nüchtern auf das gucken, was wir in Schule tun und was davon wirksam ist.
Und das muss sich ja nicht nur in schulischen Leistungen niederschlagen, absolut nicht, sondern da geht es natürlich auch um Fragen, naja, ich sage mal Krankenstände, Zufriedenheit, gehe ich gerne zur Schule, Mobbing, Statistiken, schulische Leistungen, soziales Wohlbefinden, Freundschaften und so weiter. Es sind ja viel mehr Faktoren, die da eine Rolle spielen. Und wenn wir das alles mit in den Blick nehmen und vor dem Hintergrund prüfen, was von dem, was wir in Schule tun, sei es jetzt innerhalb oder auch außerhalb von Unterricht, ist in Bezug auf ein wünschenswertes Ziel eigentlich wirksam?
Und was vielleicht auch nicht? Und was ist vielleicht wirksam im Sinne von effektiv, aber nicht effizient? Weil wir viel zu viele Ressourcen da quasi reinstecken müssen für so einen kleinen Outcome.
Und das zur Grundlage zu nehmen und zu schauen, daraus können wir doch auch einen gewissen Mut ableiten, die Dinge sein zu lassen, die nicht nützen. Und die Dinge einzuführen, von denen wir glauben, dass sie vielleicht besser funktionieren könnten. Das müssen wir auch natürlich wieder ausprobieren und evaluieren, damit wir eben wegkommen von, ich finde aber schon, dass das was gebracht hat, hin zu, na ja, es ist auch eine Frage von Professionalisierung und Professionalität, dass man sich nicht auf seine Meinungen sozusagen und subjektiven Wahrnehmungen da besinnt, sondern dass man auch datengestützt Schule Entwicklung betreibt, damit man auch im Endeffekt sich neue Legitimationen auch holt, um mutige und ich würde sagen auch notwendige Entscheidungen zu treffen.
[Silke Weiß]
Und es macht ja total Sinn, was du sagst, also evidenzbasiert Fakten heranzuziehen. Es gibt so viele Studien, wir wissen das im Prinzip ja schon lange. Und das würde mich mal interessieren, also gerade wenn es jetzt um dieses Thema geht, wir müssen an diesem Thema Wissen vermitteln oder Lernen begleiten, wir müssen da irgendwie dran.
Weil es gibt so viele Studien, die uns quasi sagen, wie gutes Lernen funktioniert, was die Zukunft, das hast ja immer Lernen, Verstehen ist der Trostpreis. Verstehen allein führt ja noch nicht zu einer Veränderung, vor allem nicht in ein System, wo wir vielleicht auch ein bisschen in so einer Systemtrance sitzen, das haben wir ja schon immer so gemacht und keine Experimente mit meinem Kind, das sind ja dann so die Totschlagargumente. Wie kriegst du die Leute dazu?
Verrate mal was aus deiner Schatzkiste, dass sie sich auf so ein Wandel auch einlassen, also weil der Widerstand ja kommt. Ohne Widerstand passieren keine großen Veränderungen, da geht es ja um was. Also mit Widerstand rechnen wir, aber was kriegt die Leute dann in ihrem Widerstand oder brauchen wir die gar nicht, lassen wir die in ihrem Widerstand machen, wir dehnen weiter, die wollen.
Ist ja auch eine Möglichkeit.
[Dennis Sawatzki]
Ich glaube schon, dass wir möglichst viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter um etwas im größeren Stile zu verändern oder sagen wir in einer vielleicht etwas höheren Geschwindigkeit auch verändern können. Ich glaube, das Allerwichtigste ist, sich selber nicht so wichtig zu nehmen und nicht sozusagen die eigene Perspektive über andere zu stellen, weil was berechtigt mich denn eigentlich dazu davon auszugehen, dass mein Bild von der Schule der Zukunft richtiger ist als das von anderen. Das heißt, es geht im Prinzip ja um einen Dialog auf Augenhöhe und zwar nicht als Strategie, sondern als Haltung, also dass ich das auch ernst meine und meine Perspektive anbiete und mit den Kolleginnen und Kollegen beispielsweise oder Schulleiterinnen und Schulleitern auf Augenhöhe über unsere jeweiligen Perspektiven dann auch spreche und sie austausche und dafür, damit es aber nicht nur bei einem Austausch bleibt, sondern da eben auch Ableitungen daraus entstehen, die auch in Handlungen übersetzt werden können, in welche Richtung auch immer, braucht es meiner Erfahrung nach auch ein Stück weit den moderierten Dialog. Und das ist so das, was wir jetzt beispielsweise als ISH anbieten, diesen Dialog zu moderieren oder auch zwischen den Instanzen ein Stück weit Übersetzungsleistung zu bringen, denn oft ist das Gleiche gemeint, aber wird anders sprachlich zum Ausdruck gebracht, sodass die vermeintlichen Missverständnisse eigentlich nur unterschiedliche sprachliche Konstrukte sind und unterschiedliche professionsbezogene Reaktionen. Ich habe gewisse Limitationen und Befangenheiten in meiner Rolle als Bildungsdezernent und ich als Schulträger und ich als Schulaufsicht und ich als Schulleitung. Und dazwischen dann eben auch zu moderieren und das Gemeinsame zu identifizieren. Das finde ich sehr, sehr wichtig.
Also mit einer authentischen Haltung ranzugehen. Ich habe jetzt nicht nur mein Bild vor Augen und das möchte ich jetzt in irgendeiner Weise durchbringen oder ich möchte davon überzeugen oder schlechtestenfalls einfach nur dazu überreden, sondern auch mit einer gewissen Ergebnisoffenheit in diesen Dialog auch entsprechend zu treten und zu sagen, woher soll ich denn wissen, wie die Schule in zehn Jahren aussehen sollte, damit sie sozusagen optimal ist. Das wäre ja anmaßend. Sondern miteinander das zu entwickeln und zu gestalten, also quasi gemeinsam Next Practice auch zu entwickeln.
Darum kann es ja entsprechend gehen. Und deswegen so das Erfolgsrezept in Anführungsstrichen würde ich sagen, ist ernst gemeintes Zuhören. Und es ist aber auch das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren.
Man kann ja ganz viel über alles Mögliche reden und ist dann sofort in so einem Metadiskurs, der aber zu nichts führt. Also auch das Wesentliche im Blick zu haben und eine gewisse Zielorientierung wirklich zu verfolgen und gepaart mit einer gewissen Gelassenheit und einer ordentlichen Prise Humor. Das ist, glaube ich, ganz, ganz wichtig, weil wir sonst vielleicht auch einfach nur verzweifeln.
[Silke Weiß]
Ja, hier gibt es Zustimmung. Ja, und vielleicht auch, weil du gesagt hast, das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren und auch das Persönliche vielleicht nicht aus dem Blick zu verlieren. Also was mich ja vielleicht auch mal motiviert hat, diesen Job zu machen.
[Dennis Sawatzki]
Ja, und du hattest die Preisträgerschulen angesprochen. Und wenn ich so drauf gucke, was ist eigentlich so das, was sie gemeinsam haben? Das hatte auch Thorsten Bohl, der Jury-Sprecher, in einem Interview mal so zusammengestellt.
Und zwei Punkte würde ich mit meinen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit diesen Schulen auch so nochmal betonen wollen oder herausgreifen wollen. Das eine ist ein bedingungsloser Fokus aufs Kind oder Berufsschulen, auf den Jugendlichen oder auf die Lernenden. Also ein ganz klarer Fokus darauf.
Und das meine ich auch mit zielgerichtet oder zielorientiert. Worum geht es eigentlich? Geht es wirklich darum, irgendwie Noten zu pushen, die Anzahl an Bildungsabschlüssen zu erhöhen?
Oder geht es darum, im Prinzip Chancen für eine echte gesellschaftliche Teilhabe zu vergrößern? Für jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Jugendlichen. Das ist so ein Punkt.
Fokus Kind. Das zweite ist, die Schulleiterin, die das so gesagt hat, wenn die Schülerinnen und Schüler und die Schule nicht zusammenpassen, dann müssen sich nicht die Schüler verändern, sondern die Schule. Das erlebe ich auch, eine Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne sozusagen das alte, funktionierende Bewahrenswerte über Bord zu werfen.
Und dritter Punkt ist, ich habe das jetzt kürzlich mal so für mich versucht zu begrifflich zu greifen mit dem Wort Grauzonenmanagement. Das ist definitiv auch etwas, was alle Schulleitungen, mit denen ich bislang sprechen und arbeiten durfte, aus dem Kontext des Preisträgernetzwerks gemein haben. An den Stellen, wo die Strukturen eben bestimmte Möglichkeiten eher begrenzen, es aber eigentlich um eine größere Sache geht, als nur Strukturen zu bedienen und Rahmenrichtlinien einzuhalten, die auch mal beiseitezustellen und nach kreativen Lösungen und Spielräumen zu suchen und immer souveräner zu werden innerhalb der Grauzonen zu agieren und nicht nur zu reagieren.
Eine Schulleiterin nennt das unamtliches Handeln. Das finde ich sehr sympathisch, natürlich auch, weil schließlich der Kreis zum Beginn des Gesprächs meinem eigenen Autonomiebedürfnis sehr entspricht. Aber ich würde eben auch sagen, unabhängig davon, dass mir das sehr zusagt, ist es tatsächlich etwas, was diese Schulen als Gemeinsamkeit aufweisen.
Das muss uns doch auch irgendwie was sagen. Da steckt ja doch irgendwie eine Botschaft für alle hinter. Die Botschaft trage ich auch gerne weiter mit entsprechend in die Schulwelt hinein.
[Silke Weiß]
Ja, und wir sind ja da auch in unserer Allianz für Lernbegleitung ganz aktiv, aber das ist vielleicht nochmal ein anderes Thema. Bevor wir da nochmal was zu sagen, würde ich gerne mal schauen, ob es Fragen gibt. Ich habe hier gesehen, hier schreiben ganz fleißig Leute mit und da gibt es auch schon eine Frage.
Ich habe schon gedacht, Sabine, als Dennis gesagt hat, dass Worte auch Realität schaffen, dass bei dir schon so ein Begeisterungslämpchen aufgeblinkt hat. Aber was ist denn deine Frage?
[Sabine (Publikum)]
Ja, ich glaube, dass transformatives Lernen vor allem bei Lehrkräften diese psychologische Sicherheit braucht. Bei Silke heißt das Schaffen eines Vertrauensraumes, das viel mehr Au und Raunen beinhaltet als psychologische Sicherheit, wo schon der Begriff ein anderer ist mit anderen Vokalen. Wie macht ihr das, dass ihr den Vertrauensraum öffnet oder bildet, sodass wirklich Wandlungsprozesse in Gang kommen können?
Weil solange die Nervensysteme aktiviert sind, will ja keiner aus seiner Komfortzone raus.
[Dennis Sawatzki]
Also spontan würde ich mal mit drei Gedanken reagieren. Das eine wäre eine Allparteilichkeit, also klar zu kommunizieren. Wenn wir jetzt eine Schule, ein Kollegium, eine Steuergruppe, eine erweiterte Schulleitung begleiten oder auch nur punktuell vielleicht mal unterstützen, dann sind wir in einer Rolle der Allparteilichkeit.
Und die unterscheide ich von einer Neutralität dahingehend, dass ich sage, wenn ich neutral bin, dann nehme ich zu nichts sozusagen Selbststellung und Position. In der Allparteilichkeit versuche ich sozusagen Stellung zu beziehen für alle Parteien oder versuche allen Parteien den Raum zu geben, dass sie Stellung beziehen können, wie sie das im Prinzip sehen und einschätzen. Und jetzt haben wir es immer in solchen Kontexten mit einer Gruppe der Schulgemeinschaft zu tun und nie mit der insgesamten Schulgemeinschaft.
Es sind ja nie alle Menschen des schulischen Personals, alle Schülerinnen und Schüler und alle Eltern dabei. Das kann ja auch nicht funktionieren, außer bei einer kleinen Grundschule Neugründung oder so. Und deswegen müssen wir ja auch überlegen, wie werden denn diejenigen auch entsprechend berücksichtigt, die gerade nicht hier sind.
Und das meine ich auch mit Allparteilichkeit. Also, dass wir auch schauen, dass wir alle Betroffenen zu Beteiligten machen, dass wir auch allen irgendwie den Raum zur Beteiligung geben und alle Stimmen auch entsprechend erhören. Und das kann, wenn wir jetzt an eine konkrete Veranstaltung denken, im Vorfeld über Befragungen und Interviews.
Das kann im Nachgang über Fragebogeninstrumente funktionieren. Das kann währenddessen natürlich durch, ich sag mal, Stellvertreter bestimmter Akteursgruppen zumindest ansatzweise funktionieren. Und das finde ich wichtig, diese Allparteilichkeit zu betonen, die vielleicht auch manchen so ein bisschen den Wind aus den Segeln nimmt, weil ich dann nicht als jemand komme, der in irgendeiner Weise mit den Zielen der Schulleitung koaliert oder die Allianz der Steuergruppe bildet, sondern der hier wirklich als eine dritte oder vierte, fünfte Instanz quasi auch auftritt und aufschlägt.
Der zweite Aspekt ist Ergebnisoffenheit. Natürlich gibt es bestimmte Ziele, die mit bestimmten Prozessen verbunden sind. Es gibt aber immer in jedem Prozess, sei es eine Leitbildentwicklung, sei es eine schulinterne Fortbildungsveranstaltung, eine Zukunftswerkstatt oder was auch immer, es gibt immer innerhalb dessen, wo es vielleicht klar vorgegebene, auch vielleicht manchmal von außen oder von oben vorgegebene Ziele gibt, Spielräume.
Das heißt, es gibt in Bezug auf bestimmte Aspekte eine Ergebnisoffenheit. Und die zu betonen und damit auch die Spielräume sichtbar zu machen und damit auch Handlungsoptionen ein Stück weit zu vergrößern, führt in meiner Erfahrung auch dazu, dass man sich diesem Prozess eher anvertrauen kann, auch wenn man vielleicht im Vorfeld nicht ganz so viel davon gehalten hat. Und das Dritte ist, dass ich ein Kind des kooperativen Lernens bin und ganz viel auch mit diesen methodischen Strukturen und Verfahren des kooperativen Lernens arbeite, wo es ja immer auch eine Rolle spielt, dass man erst mal bei sich anfängt und in der Think-Phase mal überlegt, wie sehe ich das eigentlich, dass das seinen Raum hat und dass man das mitnehmen kann in den Partner- oder Kleingruppenaustausch und dass es dort zu Aushandlungsprozessen kommt und dass man dann das vielleicht ins Plenum oder in andere Kleingruppen hineinträgt und dass man da auch Verantwortung für übernimmt und damit im Prinzip jede Stimme auch ihre Chance erhält, gehört zu werden, egal ob es jetzt die lauteren oder leiseren Menschen sind.
[Silke Weiß]
Ja, da gibt es auch schöne Kartensets von dir, wo du auch viele Methoden beschreibst. Und ein Aspekt von psychologischer Sicherheit ist ja auch, dass alle gehört werden, dass jeder eine Stimme hat und dass jeder auch den Raum hat oder die Zeit hat, auch zu sprechen. Dass nicht nur immer die Lauten reden, sondern dass alle gehört werden.
Und das kann man natürlich methodisch einfach super unterstützen mit entsprechenden kooperativen Arbeitsformen. Hey, Sabine hat noch eine Frage. Genau, die anderen können ja mal überlegen.
Bisschen Zeit haben wir noch für Fragen. Genau.
[Sabine (Publikum)]
Ja, für mich eine der wichtigeren Fragen, wenn du sagst, da kann jeder seine Gedanken einbringen, das ist ja die kognitive Ebene, aber die Räume auch fürs Fühlen aufzuhalten und zu sehen, wenn jetzt jemand merkt, ich bin Teil von struktureller Gewalt gewesen, weil ich meinen Lehrberuf auf eine bestimmte Art ausgeübt habe, das ist ja auch mit Scham verbunden und diese ganzen Gefühle brauchen ja irgendwo einen Hafen, um verarbeitet zu werden.
Merkt ihr davon was in eurer Arbeit?
[Dennis Sawatzki]
Ich würde sagen zunehmend, ja. Ich denke gerade an eine Schule zurück, die ich begleiten durfte, ich weiß nicht, ein halbes, dreiviertel Jahr, vielleicht ein ganzes Schuljahr. Und der erste pädagogische Tag mit allem, Berufskolleg, 150, 180 Leute oder so, wirklich groß, Berufskolleg.
Dann kamen zwei Kolleginnen in einer der ersten Pausen auf mich zu und wollten gerne von mir so Ersteindrücke, was ich denn so wahrnehme, hatten sich so gewünscht. Ich würde nicht in jeder Situation diese Frage dann auch beantworten, aber da schien es mir irgendwie auch passend. Und das waren dann eher so diese Zwischentöne, die ich dann auch so wahrgenommen habe.
Ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, aber die haben sich da sehr wahrgenommen gefühlt und hatten das Gefühl, endlich sagt es mal jemand. Also da ging es auch um Spannungen zwischen Kollegium und Schulleitung beispielsweise. Und das alleine hat zu so viel Entlastung auch geführt, dass sie gemerkt haben, okay, wir sind jetzt nicht irgendwie alleine mit unserer Wahrnehmung.
Selbst jemand, der von außen kommt und nur mal kurz irgendwie reinschnuppert, kriegt davon etwas mit. Dann können wir ja nicht ganz falsch liegen. Das hat sie sehr beflügelt für den weiteren Prozess, auch ermutigt, auch eben Kritik anzuführen und so weiter.
Und hatten das Gefühl, okay, ich schaffe da auch einen Rahmen, innerhalb dessen das dann auch möglich wird. Und das ging ganz schön zur Sache, das in dem Prozess. Es war schon teilweise ganz schön heftig.
Und gleichzeitig gibt es in solchen Großgruppenkontexten nicht immer den Raum dafür. Und damit ist ja auch eine gewisse Verletzlichkeit und Angriffsfläche einfach verbunden. Und manche Menschen sind ja dann auch vielleicht eher, ich meine, es ist ja auch irgendwo ein akademischer Beruf, es ist ja auch ein Stück weit, dass wir es vielleicht mehr als anderswo mit etwas verkopfteren Menschen dann auch zu tun haben, die vielleicht manchmal auch Schwierigkeiten haben, den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen sozusagen auch zu finden oder wieder zu entdecken oder das miteinander zu integrieren. Und ich glaube, dass es dafür nochmal separate, vertraute Räumlichkeiten braucht. Und ich finde das dafür sehr gut geeignet, wenn man eben beispielsweise Reflecting Teams einführt.
Eine Methode, mit der ich wirklich sehr, sehr gute Erfahrungen auch im schulischen Kontext gemacht habe. Allerdings zu Beginn nur unter Anleitung, bis die Methode sozusagen auch wirklich verinnerlicht wurde, wie sie funktioniert. Und dann gibt es dort eben auch genau den Raum für Resonanz, für Körpersensation, für das individuelle Wahrnehmen, Erleben, Fühlen.
Und das ist aber sozusagen eine Art eigenes Setting, eine Art eigenes Veranstaltungsformat, in dem das sozusagen dann auch sein darf. Viele Menschen in Schule brauchen auch die Legitimation dazu, zum Beispiel fühlen zu dürfen oder übers Fühlen sprechen zu dürfen. Also die Räume auch entsprechend dafür, die auch erstmal irgendwo begrenzt sein müssen, weil das dann wiederum natürlich auch die psychologische Sicherheit erhöht.
Ich würde mir wünschen, dass es viel mehr Möglichkeit auch zu individuellem Coaching oder individueller Supervision im Kontext Schule gäbe, weil auch das 1 zu 1 da einfach nochmal ein sehr, sehr wichtiges, ergänzendes, flankierendes Format ist. Ich darf mit vielen Schulleitungen zusammenarbeiten, die dann auch teilweise, ich sag mal, als Doppelspitze in so einer Coaching-Situation zu mir kommen oder ich zu ihnen. Und auch das, es muss nicht das 1 zu 1, es kann auch das 2 zu 1 sein oder 1 zu 2, aber das sind nochmal ganz andere Räume, die nochmal ganz neue Qualitäten eröffnen, gerade auch für solche Themen, die vielleicht sonst so ein bisschen ausgeklammert werden, aber ja genauso zu uns gehören, genauso und vielleicht sogar noch viel mehr zu echten Transformationsprozessen gehören als Voraussetzung.
[Silke Weiß]
Genau und die wir dann auch letztendlich auch angehen müssen, wenn wir über so Sachen wie Lernbegleitung oder Lehrende als Lernbegleiter auch sprechen müssen, das, was da drum herum auftaucht und da die richtige Skalierung zu finden. Also, dass das nicht vor 180 Kollegen passiert, sondern dass ich da einen kleinen Rahmen habe, um mich für sowas auszutauschen. Dann, wenn es noch eine Frage gibt, würde ich noch eine Frage erlauben, zulassen.
[Publikum 2]
Ich würde gerne einfach nur kurz eine Resonanz teilen. Als du gerade gesagt hast, so dieses braucht viel mehr individuelles Coaching und da ging gerade so ein richtiges Herz auf und ganz viel Kribbeln in mir und dann ging mein Kopf ein und sagte, okay, wie geht das überhaupt? Und dann kamen wieder solche Sachen wie, wie kriegen wir das hin, dass es dann Bewusstsein dafür gibt, dass wir sowas brauchen, wer bezahlt das?
Also, geht es dann wieder von Schulwertung aus, der dann sagt, okay, gut, ich habe schon die Haltung, wir brauchen das oder fangen wir von unten an, dass es einzelne Lehrerinnen gibt, die sagen, ich mache es für mich und das wollte ich einfach nur teilen. Aber ja, danke.
[Dennis Sawatzki]
Ja, da kann ich gerne auch noch mal was zu sagen, ohne da jetzt natürlich die Lösung für zu haben. Ich würde ganz klar für ein entschiedenes sowohl als auch plädieren, um aus ganz unterschiedlichen Richtungen auch dafür zu sensibilisieren, wie wertvoll eben auch Coaching sein kann und es gibt auch dazu, also das ist jetzt auch kein unbeschriebenes Blatt, dass Coaching teilweise höhere, zum Beispiel Fortbildungseffekte erzielt als Fortbildung. Das ist jetzt aber auch, glaube ich, für niemanden hier in der Runde überraschend.
Also da, wo Fortbildung draufsteht, steckt nicht unbedingt immer so wahnsinnig viel Fortbildung drin, was auch wiederum mit ganz vielen strukturellen Themen zu tun hat und Transfer und Ressourcen etc. Und Coaching vermag da noch viel mehr Potenzial auch entsprechend zu entfalten und es muss auch nicht zwangsläufig Coaching heißen. Das ist egal, würde ich fast sagen.
Es geht eher um das Arbeiten mit Coaching-Elementen und das in einem kleinen Setting, vielleicht sogar wirklich in einem 1 zu 1 Setting. Ich habe zum Beispiel mal eine Schule begleitet, da war das so, dass die Schulleitung gesagt hat, für individuelles Coaching oder in dem Fall hieß es dann Supervision, wo es wirklich so um die eigene Rolle, Rollenidentität schwerpunktmäßig ging, also quasi die Professionalisierung der Professionellen in den Blick zu nehmen, zahlt die Schulleitung die Hälfte. Die andere Hälfte zahlt dann die Lehrperson aus eigener Tasche.
Ich habe schon Schulen begleitet, bei denen, die zu einem Bistum gehörten, wo das Bistum dann entsprechend Budget zur Verfügung gestellt hat. Ich habe schon Schulen begleitet, wo eine Stiftung gesagt hat, sie übernehmen da entsprechend auch einen Anteil, der dann zum Beispiel für Coaching oder auch mal für Mikrofortbildung investiert werden kann. Und natürlich begleite ich auch Lehrpersonen und Schulleitungen, die das tatsächlich aus eigener, nicht nur Motivation, sondern auch eigener Tasche heraus investieren.
Und was ich einen ganz spannenden Ansatz finde, und das hattest du Silke auch eingangs schon mal gesagt, wir bieten so Kompaktkurse, systemisches Coaching an, wo es wirklich darum geht, mal in die ganze Thematik reinzuschnuppern. Natürlich schon auch mit der Idee, wie kann ich als Lehr- oder Leitungsperson meine Führungs- und Beratungsaufgaben dahingehend auch entwickeln. Natürlich beginnt man aber irgendwo dann auch bei sich selbst und überlegt sich, na ja gut, wie mache ich das jetzt eigentlich bislang oder wo finde ich eigentlich vielleicht auch entsprechend Unterstützung.
Das heißt, das hat schon auch so ein bisschen den Charakter, man entwickelt sich vielleicht hin in Richtung Coach, aber ist nicht nur Teilnehmender, sondern irgendwo auch ein Stück weit Coachee in diesem Weiterbildungskontext, weil man ja auch natürlich auf seine eigenen Themen guckt, die dort in Übungssettings mit Kolleginnen und Kollegen einfach bearbeiten kann. Und das ist natürlich auch einfach sehr viel wert. Und das kann ich an der Stelle als Fußnote vielleicht auch noch dalassen, dadurch, dass wir nicht nur diese Kompaktseminare, sondern eben auch berufsbegleitende, anderthalbjährige bis zweijährige zertifizierte Weiterbildungen anbieten, haben wir ganz viele Weiterbildungsteilnehmende, die für ihre Coachingpraxis auch Coachees suchen und da an der Stelle auch kostenfrei oder im Prinzip manchmal nur gegen den symbolischen Betrag Coaching anbieten. Und zwar selbst noch in Ausbildung sind, aber trotzdem ist das natürlich viel wert. Die suchen immer im Prinzip Coachees und da können wir natürlich dann auch ganz gut zwischenvermitteln.
[Silke Weiß]
Ja, super. Danke dir.
[Sabine (Publikum)]
Sabine, noch eine letzte Frage? Dennis, du bist finanziert von Robert Borsch oder wer bezahlt deine Arbeit?
[Dennis Sawatzki]
Ich arbeite für die Robert-Bosch-Stiftung sowie für ganz viele andere Institutionen. Ich habe als Selbstständiger im Prinzip begonnen, das heißt auf eigene Rechnung. Und das habe ich einfach nur vergrößert und daraus dann ein Institut gemacht, sodass wir uns als Institut, wir sind eine GmbH, komplett aus Honoraren finanzieren.
Das heißt, mein Gehalt als Geschäftsführer, als Inhaber, speisen wir sozusagen aus den Aufträgen, die wir ausführen und den Umsätzen, die wir darüber generieren. Wir haben auch keine Förderungen oder so. Das ist wirklich nur durch unser Doing sozusagen im Feld und die honorare Stunden oder Tagessätze, die wir beziehen.
Ich sage mal, das, was wir über Publikation oder so was, sonstige Leistungen beziehen, das ist nicht der Rede wert. Es sind tatsächlich rein Honorare, über die wir dann dieses Institut betreiben mit festangestellten Mitarbeitenden und eigenen Institutsräumlichkeiten in Bochum. Wir haben aber unsere freiberuflichen Trainerinnen, Trainer, Beraterinnen und Berater deutschlandweit auch verortet, sodass wir eben auch deutschlandweit Schulen und andere Bildungsinstitutionen unterstützen.
[Silke Weiß]
Genau, kenne ich irgendwoher. Wir machen das ja auch ganz ähnlich. Ich würde mal so langsam zum Schluss kommen, vielleicht noch mal mit so einem kleinen Ausblick, dass wir beim Bildungsgipfel auf jeden Fall auch noch eine Dialogrunde haben zum Thema Lernbegleitung, wo du ja auch dabei bist im Rahmen unserer Allianz für Lernbegleitung.
Wir können ja schon mal neugierig darauf machen, was wir da noch mal austauschen. Da sind ja dann auch einige Gäste dabei, die jetzt auch schon hier beim Bildungscafé waren. Insofern, gibt es von dir noch etwas Deines, was dir wichtig ist, wo wir vielleicht jetzt noch nicht drüber gesprochen haben, was du vielleicht auch so kurz vor Weihnachten...
Weihnachten ist ja eigentlich schon eine Zeit für Zuversicht. Da gibt es irgendwo immer ein Licht im Dunkeln, was noch leuchtet. Das ist ja auch so ein bisschen der symbolische Wert dieser Weihnachtszeit.
Ja, vielleicht noch mit einem Lichtblick zu enden.
[Dennis Sawatzki]
Ich habe ja diesen Knautschball in der Hand, der passt ja eigentlich ganz gut dazu. Genau, also Zuversicht finde ich ein sehr, sehr gutes Schlagwort. Ich glaube, dass wir uns keinen Gefallen damit tun, uns auf das zu fokussieren, was nicht funktioniert.
Und auch so ein bisschen dieses, ich sage mal, Defiziterleben vielleicht weiter ausschmücken. Sondern Gelingensmomente auch noch stärker vielleicht zu feiern. Mit der Idee, daraus Motivation zu schöpfen und gleichzeitig aber auch Muster zu identifizieren.
Also nicht so Chakramäßig, sondern wirklich zu sagen, lass uns das doch jetzt mal wirklich würdigend in den Blick nehmen. Warum hat das denn so gut funktioniert? Also ich habe die Erfahrung gemacht, zu Lockdown-Zeiten sind Schulen ja notgedrungen auch extrem kreativ geworden.
Und ich finde, das ist eine wahnsinnige Ressource, auch heute noch, darauf mal zu verweisen, was habt ihr denn in der Zeit gemacht? Wieso habt ihr denn überhaupt den Laden am Laufen halten können? Was hat denn da besonders gut funktioniert?
Also wirklich bewusst, ohne jetzt sozusagen Probleme zu bagatellisieren, aber wirklich den Blick auf Ressourcen zu richten. Was haben wir denn in der Vergangenheit schon Tolles gewuppt bekommen? Und woran lag das?
Was können wir denn daraus ableiten? Welche Systematik steckt denn da vielleicht auch hinter? Also das so ein bisschen zu theoretisieren gewissermaßen.
Also zu sagen, good practice ist good practice. Damit good practice aber auch zu next practice werden kann, brauchen wir auch die Theorie. Um da hinzukommen, brauchen wir die Reflexion.
Also ich finde diesen Dreiklang aus, lasst uns auf das, was da ist, was funktioniert, den Hauptfokus richten, um daraus eben auch eine gewisse Energie raus ableiten zu können. Lasst uns dann reflektieren, was steckt denn eigentlich an Botschaften für uns da drin, die wir noch nicht so richtig herausdestilliert haben. Und diese Botschaften, was sagen die uns in einem übergeordneten Sinne eigentlich?
Und was können wir aus dieser Theorie, also unserer eigenen Theorie, unserer Schule lernen und ableiten, damit daraus wieder gute Praxis erwächst? Ich finde, wenn man so mit dem Blick dran geht, dann drängt sich Bewältigungszuversicht förmlich auf. Und das gebe ich auch sehr gerne mit in die Weihnachtszeit.
[Silke Weiß]
Das war ein super Schlusswort. Vielen herzlichen Dank.
SHOWNOTES
Eine neue Podcastfolge aus dem Bildungscafé der LernKulturZeit ist da!
Silke Weiß spricht diesmal mit Dennis Sawatzki, Geschäftsführer des Instituts für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik (ISH Group).
Dennis bringt eine spannende Perspektive auf das Thema Schultransformation mit: Als Prozessbegleiter zahlreicher Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises betrachtet er Lernbegleitung nicht nur als Methode für den Unterricht, sondern als umfassende Professionalisierungsbegleitung für das gesamte System – also auch für Lehrkräfte und Schulleitungen.
Im Gespräch räumt er mit dem Missverständnis auf, dass es reiche, Lernende einfach nur zur Freiheit zu „ermächtigen“. Er plädiert stattdessen leidenschaftlich dafür, sie (und auch die Lehrenden) erst einmal dazu zu befähigen, mit dieser Autonomie umzugehen.
Außerdem erfahrt ihr:
Warum Schulen oft in einer „systemischen Befangenheit“ feststecken – wie in einem Spinnennetz aus Rollen und Erlassen – und warum der Blick von außen so wichtig ist.
Was es mit „Grauzonenmanagement“ und „unamtlichem Handeln“ auf sich hat. (Strategien, die Dennis als zentrale Gemeinsamkeit erfolgreicher Preisträgerschulen identifiziert hat, innerhalb starrer Strukturen kreative Spielräume zu nutzen.)
Warum wir für echten Wandel weg vom subjektiven Bauchgefühl und hin zu einer evidenzbasierten Schulentwicklung müssen.
Wie durch „Allparteilichkeit“ und moderierte Dialoge auf Augenhöhe eine „Next Practice“ entsteht, die über bloße Konzepte hinausgeht.
Warum psychologische Sicherheit und Räume für Resonanz und Gefühle die Grundvoraussetzung für jede Transformation sind.
Eine Folge voller Bewältigungszuversicht für alle, die Schule nicht nur verwalten, sondern gemeinsam mit allen Beteiligten neu gestalten wollen.
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Bildungscafé (Sei beim nächsten Mal live dabei und stelle deine Fragen!) https://www.lernkulturzeit.de/veranstaltung/bildungscafe/
Institut für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik (ISH)
https://ish-gruppe.de/
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